CIGAR ODYSSEY

Zigarren lagern: Humidor, Feuchtigkeit und Pflege

Zedernholz-Humidor, relative Luftfeuchtigkeit, Akklimatisierung, Reifung, Schimmel und Plume: Grundlagen zur Lagerung von Zigarren.

Humidor und Spanische Zeder

Spanische Zeder (Cedrela odorata, ein Verwandter des Mahagonis und keine echte Zeder) ist das traditionelle Holz für Humidore und Zigarrenkisten: Sie puffert die Feuchtigkeit und gibt einen dezenten Duft ab. Ein Humidor wird nach seiner Dichtheit beurteilt: Deckel ohne Spiel, gerade Scharniere, Auskleidung ohne Fugen. Zur Erstinbetriebnahme wischt man das Innere mit einem mit destilliertem Wasser angefeuchteten Tuch aus, ohne das Holz zu durchnässen, und schließt ihn mit dem Befeuchter, der mit destilliertem Wasser gefüllt ist. Ein bis zwei Tage warten, bis sich das Hygrometer eingependelt hat, erst dann Zigarren einlegen.

Feuchtigkeit und Temperatur

Angestrebt werden eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 bis 72 Prozent und eine Temperatur von 16 bis 21 °C. Über 75 Prozent droht Schimmel; über etwa 23 °C entwickeln sich Larven des Tabakkäfers schneller. Hygrometer gehen oft falsch; man kalibriert sie mit dem Salztest: 24 Stunden in einem luftdichten Beutel mit einem Flaschendeckel feuchter Salzpaste, die die Luft bei etwa 75 Prozent hält. Die abgelesene Abweichung ist die Korrektur. Der Befeuchter wird mit destilliertem Wasser oder einer geeigneten Lösung gefüllt und wöchentlich kontrolliert.

Akklimatisierung und Quarantäne

Eine neue Zigarre oder eine, die lange außerhalb eines Humidors lag, braucht eine Akklimatisierung: Sie darf sich mehrere Tage, auch ein bis zwei Wochen, unter Bedingungen nahe denen des Humidors einpendeln, bevor sie eingelagert wird. Eine per Post erhaltene Sendung kommt zunächst in Quarantäne, ausgepackt, in eine getrennte Box, für mehrere Wochen: Man achtet auf winzige Löcher, feinen Staub oder Insekten, bevor sie zu den übrigen kommt. Regelmäßiges Umschichten, etwa einmal im Monat, verhindert, dass oben und unten liegende Zigarren unterschiedlich reifen.

Reifung

Reifung verläuft langsam und unauffällig. Mit den Jahren rundet sich der Tabak ab: scharfe oder ammoniakartige Noten junger Zigarren lassen tendenziell nach, Aromen verbinden sich, und holzigere oder erdigere Nuancen können hinzukommen. Die Wirkung hängt von der Vitola ab: Ein schlankes Format verändert sich schnell, ein dickes langsamer, und nicht jede Zigarre gewinnt durch Warten; manche verlieren an Lebendigkeit. Das Ergebnis hängt zudem von Tabak, Fermentation und Lagerbedingungen ab, daher lässt sich nichts versprechen. Sinnvoll ist, in regelmäßigen Abständen eine zu probieren und Veränderungen zu notieren.

Schimmel, Plume, Insekten

Schimmel bildet watteartige oder pudrige Flecken in Blau, Grün oder Weiß, mit muffigem Geruch, und dringt in das Deckblatt ein. Plume ist ein feiner, weißer, kristalliner Belag, trocken und glitzernd, der sich mit einer weichen Bürste leicht abstreichen lässt. Der Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) hinterlässt kleine Löcher und feinen Staub. Betroffene Zigarren lassen sich 48 bis 72 Stunden bei etwa -20 °C einfrieren, aber nie ohne Verpackung: zuerst in einen luftdichten Beutel, dann langsam im Kühlschrank auftauen, bevor sie Raumtemperatur erreichen; sonst schädigen Kondenswasser und Frost das Deckblatt.

Trockene Zigarre wiederbeleben

Eine ausgetrocknete Zigarre lässt sich manchmal wieder befeuchten, aber nur langsam. Man legt sie bei 65 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit in den Humidor und lässt sie mehrere Wochen, mitunter einen Monat oder länger, regenerieren, ohne Dampf oder Wasser einzusetzen: Eine abrupte Erholung lässt das Deckblatt reißen. Die Grenzen sind real: Ein bereits rissiges Deckblatt schließt sich nicht, verlorene natürliche Öle kehren nicht zurück, und der Geschmack kann flacher bleiben als zuvor. Vor dem Rauchen drückt man die Zigarre sanft: Sie sollte zurückfedern, ohne zu knistern.

Befeuchter · Bloom (Tabakreif) · Schimmel